Wolfsabschüsse in Kärnten: Warum die Zahlen ein anderes Bild zeigen als die öffentliche Debatte
Der Kärntner Weg zeige, dass die Nutztierrisse zurückgegangen sind, sagte Agrar- und Jagdreferent Martin Gruber (ÖVP): „Und das hat eben auch damit zu tun, dass in gewissen Bereichen bejagt wird, dass der Wolf auch merkt, dass von den Menschen und von Nutztieren durchaus eine gewisse Gefahr ausgeht. (https://kaernten.orf.at/stories/3350565/)

Quelle Bild: 2025_Statusbericht_Wolf
Die Diskussion rund um den Wolf wird derzeit emotional geführt – besonders in Kärnten. Steigende Risszahlen und eine wachsende Zahl an Abschüssen werden häufig als Beleg dafür herangezogen, dass sich die Situation zuspitzt und härtere Maßnahmen notwendig sind. Ein genauer Blick in den aktuellen Statusbericht Wolf 2025 zeigt jedoch: So einfach ist die Lage nicht.
Mehr Abschüsse – aber keine klare Wirkung
Im Jahr 2025 wurden so viele Wölfe entnommen wie noch nie, insbesondere in Kärnten. Gleichzeitig ist die Zahl der gerissenen Nutztiere nach einem Rückgang im Vorjahr wieder gestiegen. Dieser Befund ist entscheidend: Wären Abschüsse ein wirksames Mittel zur Reduktion von Schäden, müsste sich ein gegenteiliger Trend zeigen. Genau das ist jedoch nicht der Fall.
Wer verursacht die Schäden wirklich?
Ein zentraler Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Die meisten Rissereignisse gehen nicht auf Rudel, sondern auf durchziehende Einzelwölfe zurück. Laut Bericht konnten bei 119 bestätigten Rissereignissen insgesamt 47 verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen werden. Nur in drei Fällen waren Tiere beteiligt, die zu bekannten Rudeln gehören.
Das bedeutet: Es handelt sich überwiegend um mobile Tiere, die Regionen durchqueren – nicht um ortstreue „Problemrudel“, die gezielt reguliert werden könnten.
Die Mehrheit der Wölfe ist unauffällig
Österreichweit wurden 2025 insgesamt 121 Wölfe bestätigt. Nur ein Teil davon steht überhaupt im Zusammenhang mit Nutztierrissen. Die Mehrheit der Tiere verhält sich unauffällig.
Das widerspricht der häufig vermittelten Vorstellung eines flächendeckenden Problems.
Kärnten im Kontext
Kärnten zählt – wie auch Tirol – seit Jahren zu den Regionen mit den meisten Nutztierrissen. Daran hat sich auch 2025 nichts grundlegend geändert. Rund 27,5 % der österreichweiten Verluste entfallen auf Kärnten, während Tirol weiterhin deutlich darüber liegt.
Von einer neuen Eskalation speziell in Kärnten kann daher nicht gesprochen werden. Vielmehr setzt sich ein bekanntes geografisches Muster fort.
Nicht alle Nutztiere sind gleichermaßen betroffen
Der Anstieg der Risszahlen ist zudem nicht gleichmäßig verteilt: Er betrifft fast ausschließlich Schafe und Ziegen. Bei Rindern, Pferden und Gatterwild sind die Zahlen hingegen rückläufig.
Auch dieser differenzierte Blick fehlt in vielen öffentlichen Darstellungen.
Fazit: Komplexes Problem statt einfacher Antworten
Die Daten zeigen klar: Weder lassen sich steigende Risszahlen allein durch den Wolfsbestand erklären, noch führen Abschüsse automatisch zu einer Entspannung der Situation. Entscheidend sind vielmehr strukturelle Faktoren wie Wanderbewegungen einzelner Tiere, regionale Gegebenheiten und die Art der Nutztierhaltung.
Wo kein Herdenschutz betrieben wird, steigen die Risszahlen.
Die Debatte rund um den Wolf braucht daher weniger Schlagworte und mehr Differenzierung. Wer nachhaltige Lösungen sucht, muss sich an den tatsächlichen Ursachen orientieren – nicht an vereinfachten Narrativen.
Zur Verhältnismäßigkeit

Die vorliegenden Daten zeigen, dass Wolfsrisse im Gesamtbild der Schafhaltung eine sehr geringe Rolle spielen: Während der überwiegende Teil der Tiere geschlachtet wird oder durch natürliche Ursachen wie Krankheiten und Unwetter verendet, machen Wolfsrisse nur einen verschwindend kleinen Anteil aus. Selbst aktuelle Zahlen bestätigen, dass es sich dabei um ein randständiges Phänomen handelt, das zwar lokal spürbar sein kann, statistisch jedoch klar hinter anderen Verlustursachen zurückbleibt.